Entwicklungshilfe mit Einsatzfreude und Erfahrung

Der „International Fire and Rescue Confederation e.V. i.Gr.“ – ein starkes Bündnis für Drittwelt- und Schwellenländer

 

Dipl.-Ing. Lothar Hügin
Präsident

Als 2013 das achtgeschossige Rana Plaza in Bangladesch einstürzte, verloren 1.135 Menschen ihr Leben, 2.438 wurden verletzt. Den Jahrestag des schwersten Fabrikunfalls in der Geschichte des Landes erlebte ich vor Ort mit und erfuhr, wie groß der Bedarf an Konzepten und professioneller Ausbildung im Brandschutz- und Rettungswesen ist. – Das Beispiel ist eine von vielen persönlichen Erfahrungen, die mich dazu motiviert haben, gemeinsam mit engagierten Partnern den Verband „International Fire and Rescue Confederation e.V. i.Gr.“ ins Leben zu rufen. Denn wer fachkundig retten, löschen, bergen und schützen kann, leistet effektive Entwicklungshilfe, die Katastrophen verhindert, Lebensbedingungen verbessert und Menschen Zukunftsperspektiven eröffnet.

 

 

Die Ziele: Menschen schützen und Heimat geben
Der Verband „International Fire and Rescue Confederation e.V. i.Gr.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Drittwelt- und Schwellenländern sowie Ländern, in denen ein Bedarf besteht, das Feuerwehr-, Brandschutz- und Rettungswesen zu unterstützen, die medizinische Notversorgung zu fördern und den Bevölkerungs-, Zivil- und Katastrophenschutz zu stärken. Darüber hinaus wollen wir Forschungsprojekte realisieren, welche diese Ziele schneller erreichbar machen.

Bei allem was wir tun ist es uns wichtig, mit den jeweiligen Staaten eng zusammen zu arbeiten. Denn gemeinsam stehen wir vor großen Herausforderungen. Menschen insbesondere aus Drittweltländern verlassen immer häufiger ihre Heimat, um in sichereren Staaten Schutz und eine bessere Zukunft zu suchen. Wesentliche Gründe sind eine nicht ausreichende Infrastruktur, unzureichender Katastrophenschutz, Trinkwasserknappheit, mangelhafte medizinische Grundversorgung und ein unzulängliches Feuerwehr- und Brandschutzwesen. All dies stellt aber die Grundlage eines jeden Staates dar und ist die Voraussetzung zur Ansiedlung von Industrie- und Wirtschaft. Verstärkt wird die Migrationswelle zudem durch die steigenden Auswirkungen der Klimaveränderungen mit Hitze, Dürre und Überschwemmungen.

Der Anfang: Eine Begegnung in Bangladesch
Bereits Anfang 2000 war die Idee entstanden, das Feuerwehr- und Rettungsdienstwesen, welches in Deutschland und international einen fachlich hohen Stellenwert hat, in Drittwelt- und Schwellenländern zu transferieren. Konkret wurde diese Idee 2014, als ich darum gebeten wurde, Möglichkeiten des Aufbaus einer Feuerwehrstruktur für Bangladesch zu prüfen. Zur Einschätzung der Lage vor Ort reiste ich im April 2014 in die Hauptstadt Dhaka.

Abb.1: Produktion in einem Textilunternehmen

Die Reise fiel genau in den Zeitraum des Jahrestages des Gebäudeeinsturzes von Rhana Plaza am 24. April 2013. Bei dem Fabrikunfall etwa 25 km nordwestlich der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch starben mehr als 1.135 Menschen, 2.438 wurden verletzt. Bei einer feuerwehrinternen Gedenkfeier, zu der ich eingeladen war, wurde ein Video der Rettungsarbeiten gezeigt. Was mich besonders bewegte, waren die verzweifelten Versuche ein kleines Kind zu retten – welches nach der Befreiung in den Armen der Retter verstarb.

Unter dem Eindruck dieser Katastrophe begutachtete ich viele Betriebe und stellte fest, dass man durchaus bemüht war, bauliche und organisatorische Brandschutzmaßnahmen umzusetzen. Die Gebäude wurden mir als gelungene Beispiele präsentiert. Doch es war augenscheinlich, dass das Fachwissen und die Expertise in der Entwicklung fundierter Konzepte fehlten, wodurch die meisten Maßnahmen im Ernstfall keine Sicherheit geboten hätten – die nächsten Katastrophen mit Toten und Verletzten waren nur eine Frage der Zeit. Zudem schienen einige Ansätze ausschließlich dem wirtschaftlichen Vorteil der Anbieter aus Industrieländern zu dienen statt den Einheimischen.  

Die Gründung: Eine Idee wird Wirklichkeit
Während meines Aufenthalts gab es, neben den Besichtigungen von Produktionseinrichtungen (Abb.1), zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch mit der zuständigen Berufsfeuerwehr. Auch ein Seminar zu dem Thema „Vorbeugender Brandschutz“ wurde unter anderem abgehalten (Abb. 2).

Abb.2: Seminar für Berufsfeuerwehrleute aus Dhaka; Referent Lothar Hügin

Das Fazit: Der Wunsch der Feuerwehrleute aus Dhaka nach Ausbildungsunterstützung war gewaltig – und mit dem Gesamteindruck und Erkenntnisgewinn der Reise im Gepäck begann ich bereits auf dem Rückflug das Konzept der „International Fire and Rescue Confederation“ vorzubereiten.

Im Laufe der Jahre folgten zahlreiche weitere Auslandsreisen, vor allem nach Afrika. Was mich immer wieder beeindruckte war die Herzlichkeit und Wärme der Bevölkerung – ebenso wie der allgegenwärtige Wille, mit fachlicher Unterstützung aus Deutschland etwas aufzubauen. Nach fünf Jahren, viel Organisation und mehreren Anläufen konnte der Verband am 23. August 2019 gegründet werden.

Derzeit befindet sich unser Verband noch in der Gründungsphase und kurz vor der Anerkennung, als gemeinnütziger Verband auftreten zu dürfen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir, insbesondere in afrikanischen Staaten, aber bereits viele Gespräche mit Feuerwehren, ausländischen und inländischen Regierungsvertretern, den Deutschen Wirtschaftsverbänden und Entwicklungshilfebanken führen dürfen. Die Resonanz ist überwältigend und bestätigt uns darin, den begonnenen Weg motiviert weiterzugehen.

Die Zukunft: Kooperation, die Kreise zieht
Unternehmen, Brandschutzfachverbände, Hilfsorganisationen sowie die großen Feuerwehrverbände laden wir ganz herzlich dazu ein, unser Anliegen zum Wohle der Welt-Gemeinschaft zu unterstützen und mit uns zu gestalten. Ob bei öffentlichen Anlässen in hoffentlich naher Zukunft oder schon jetzt im persönlichen Gespräch – wir freuen uns über Ihr Interesse und jede gute Begegnung im Sinne unserer gemeinsamen Sache.

Entwickeln wir gemeinsam Hilfe, die wirkt!

Herzlich, Ihr

Dipl.-Ing. Lothar Hügin
Präsident